Abends im Resort, in der Nähe von Nha Trang/Vietnam mit Blick
auf das Meer sprudelten Geschichten aus der Vergangenheit lebendig hervor.
Eckhart, ein ehemaliger Matrose wusste eine Story aus der DDR-Zeit.
Eckhart öffnete mit einem billigen Feuerzeug seine Pulle Bier, be-
gleitet vom dazugehörenden, plopp‘.
„Ich erlebte mal auf einer Schiffsreise ähnliche merkwürdige
Dinge. Mit der ,Solidarität‘ ( Baureihe Typ IV, eigentlich „ MS Frieden“),
einem DDR-Frachtschiff, hatten wir
Ladung an Bord, um sie von Rostock nach Haiphong zu bringen
und dort zu löschen. Das war so Mitte 1987. Unsere Besatzung be-
stand aus knapp 60 Mann. Da hatten wir auch acht Tote zu bekla-
gen, welche auf tragische Weise ums Leben kamen, wobei sich
keiner so recht einen Reim daraus machen konnte. In der Küche
hatte unser Küchenchef einige Bimbos aus Angola als Küchen-
schaben unter sich und einer bekam einen handfesten Seekoller.
Irgendwas schien ihm über die Leber gelaufen zu sein. Nach dem
dritten Tag sprang der Neger am helllichten Tag über Bord, ein-
fach so. Die See hat ihn sofort verschluckt. Er war weg, auf Nim-
merwiedersehen. Seine schwarzen Kameraden jammerten und
heulten hysterisch, wir hatten große Mühe, diese einigermaßen zu
beruhigen und unter Deck zu verfrachten. Nur einen Tag später
fanden wir einen seiner Kumpels aufgeknüpft an einem Stahl-
träger. Keiner konnte sich das so richtig erklären, denn die paar
Habseligkeiten, die beide hatten, waren alle da.
Zwei Tage später brach im Maschinenraum ein Feuer aus, bei
dem vier Mann, allesamt Kubaner, ums Leben kamen.
Wiederum nach zwei Tagen sprangen zwei schwarze Angolaner
nachts von Bord ins Meer, welches sie verschlang. Eine unnatürli-
che Duplizität von Ereignissen.
Wir hatten so einen Stasi-Menschen an Bord, der selbst nach
intensivster Schnüffelei in jeder Richtung keine plausible Er-
klärung hierfür hatte, und so blieb dies alles als eine Anhäufung
unerklärlicher Ereignisse in einem Protokoll stehen. Es gab eine
einzige vage Erklärung meines Erachtens hierfür, und die heißt
Seekoller gemischt mit Massenhysterie. Die Schwarzen haben sich
gegenseitig so in Rage fantasiert, dass sie sich aus Angst vor ir-
gendwelchen Vodoogeistern selbst umbrachten.“
Jay, den man eigentlich als einen dem Alkohol eher abgeneigten
Briten hatte kennenlernen dürfen, kippte sich noch einen schönen
Talisker ins Glas, blickte in Richtung dunkles Meer und begann:
„Also, ich kenne da auch so einige Storys, in denen sich solche
merkwürdigen Todesfälle abgespielt haben. Als Schriftsteller
habe ich mich damit natürlich befasst. So zum Beispiel, als ein
Winzer aus Empurani im südfranzösischen Département Ardèche
erstickte, während er in einem Weinbottich Trauben zerstampfte.
Wahrscheinlich fiel er dem Kohlendioxid zum Opfer, das bei der
Gärung der Trauben entsteht, so stand es im Polizeibericht.“
Jay hielt inne und gespannte Ohren lauschten gespannt weiter:
„Eine Abkürzung, die ein junger Mann nach einem Wirtshausbe-
such aus Glasgow über einen Friedhof nahm, verkürzte gleichzei-
tig auch sein Leben. Als er auf dem Friedhofsareal unter einem
bogenförmigen Grabstein hindurchging, stürzte dieser um und
erschlug den jungen Mann. Vorausgegangen war ein Streit in je-
nem Wirtshaus wegen eines Mädchens. Es blieb ein ungeklärter
Fall. Konnte der Steinbogen just in dem Moment einstürzen, oder
wurde nachgeholfen? Es konnte kein Verdächtiger festgestellt
werden.
Noch ein Ereignis: Der englische Schriftsteller Arnold Bennet
wollte vor Freunden die Unbedenklichkeit des Pariser Leitungs-
wassers demonstrieren und trank todesmutig vor ihren Augen ein
Glas davon. Einige Tage später starb er an Typhus. Jetzt verklagt
mal die Stadtwerke von Paris. Ein Unding, also wieder kein
Schuldiger.
Es geht auch skurriler: Auf besonders makabre Art
und Weise kam 1992 ein Mann während eines Einbruchs in einer
Fabrik bei Manchester ums Leben. Der Bedauernswerte verließ
das Gebäude über ein Schrägdach, stürzte und fiel auf einen
Schornstein. Dabei brach er sich den Rückenwirbel. Damit aber
nicht genug – er fiel weiter in einen Blitzableiter, der ihm den
Bauch aufschlitzte und den Darm austreten ließ; dann fiel er in
einen Sonnenkollektor und verlor sein Augenlicht. Schließlich
rollte er über die Dachkante, riss sich an der Entwässerungsrinne
die Hoden ab und blieb mit der Jacke an einer Fahnenstange hän-
gen. Dort fand man ihn am nächsten Morgen erstickt auf. Da muss
doch ein ordentlicher Polizeibeamter daran verzweifeln, einen
Bericht zu schreiben, oder? So, Gentlemen, ich für meinen Teil
werde mich zurückziehen. Er wünscht eine geruhsame Nacht.“
Eckhart schüttelte sich und meinte nur „Alles Beispiele dafür, wie
man auf außergewöhnliche Art und Weise ins Jenseits gelangen
kann“ und verabschiedete sich mit seinem Kölbchen Bier.
Zurück blieben als Letztes Herbert, Manfred und Schneider.
„Ich traue mich schon gar nicht zu fragen, aber wenn wir schon so
am Erzählen sind, dann würde ich gerne wissen, wie das damals
mit dem vietnamesischen Gefangenen in eurem Militärposten wei-
terging. Wir sind ja da stehen geblieben, als ihr zurück in den
Posten fahren wolltet“, sprach Schneider zu den Veteranen.
„Gerne, das lenkt ab. Lass mich mal überlegen ... okay, jetzt bin
ich wieder in der Spur“, erinnerte sich der
ehemalige Fremdenlegionär Manfred….
Buchbeschreibung
Indochinakrieg, Vietnam Ende 1953. Eine kleine Garnison eines Postens des 2.R.E.I. bei einem Fischerdorf in der Nähe von Nha Trang. Die Fremdenlegionäre hatten die Aufgabe, in der Nähe gelegene Reisfelder und die arbeitende Vietnamesen zu beschützen, welche immer öfters Angriffe der Vietminh ausgesetzt waren. Nachdem eine Operation gegen die Vietminh erfolgreich durchgeführt wurde, kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall, wobei Fremdenlegionäre grausam zu Tode kamen. Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Bedauerlicherweise wurden Zivilisten in den Konflikt hineingezogen und versehentlich erschossen.
60 Jahre danach trafen sich deutsche Legionärs-Veteranen des Postens in einem Resort, welches ein ehemaliger Kamerad leitet, nicht weit von ihrem damaligen Stützpunkt entfernt.
Als unvergänglicher Zeuge dieses damals befestigten Postens, blickt bis heute der steinerne Beobachtungsturm auf die idyllische Bucht von dem Hügel herab.
Einen Tag nach Heilig Abend endete die gemeinsame Besteigung zu dem Turm mit dem Tod eines der Veteranen durch eine Herzattacke. Es folgten weitere mysteriöse Todesfälle bei den angereisten, ehemaligen über 80jährigen Fremdenlegionären.
Der sich seit wenigen Tagen im Urlaub befindliche Stuttgarter Oberkommissar Schneider, welcher sich von seinem stressigen Job erholen wollte und sich mit den teils schrillen Resort Gästen amüsierte, schlitterte in diese nicht enden wollenden Sterbevorfälle hinein. Dabei wurde er schrittweise zum Mitermittler des sächsisch sprechenden vietnamesischen Kommissars Mr. Ngo.
Ein pensionierter britischer Lehrer und nun Schriftsteller, sowie ein Rentner, welcher in seinem früheren Leben mit der DDR-Handelsmarine durch die Welt schipperte, bereicherten die revoltierenden Vorkommnisse mit ihren trockenen Sprüchen und rabenschwarzen Humor.
Somit wird ein tragisch, tödliches Rendezvous zu einer skurril anmutende Kriminal-Geschichte.
Zur hilfreichen Rekonstruktion, was sich damals in den Wirren des Krieges ereignete, waren die abendlichen Erzählungen der Fremdenlegionäre aus jener Zeit, für Schneider von aufschlussreicher Wichtigkeit.
Der Chef des `Paradise Resort´, namens Vladimir, rückte so nach und nach mit interessanten Details heraus, woraus aus verblassten Mosaikteilchen letztendlich ein rätselhaft mystisches Gesamtbild erstellt werden konnte.
Seitenzahl 299 mit Fotos