#wildwildost

Wild Wild Ost

Goldrausch an der Elbe

Im ROED - Verlag, oder in meinem Shop

4. erweiterte Ausgabe mit einer zusätzlichen Story

 

ISBN 978-3-9807733-4-8

Urlaub in Spanien

 Den Sommerurlaub verbrachten wir das erste Mal als Kleinfamilie al-

leine und in Spanien. Meine Frau hatte das Urlaubsziel ausgesucht. Es 

musste ein Chalet in einer Golfanlage im Süden Spaniens sein. Da der 

kleine Smeagol gerade fünf Monate alt war, schlug ich Folgendes vor. 

Anja sollte mit dem Baby zum Zielgebiet fliegen. Da die Strecke über 1.500 

km lang war, würde es für den Kleinen eine Zumutung und zu stressig 

sein, die ganze Zeit im Auto zu verbringen. Ich würde einen Tag früher 

mit dem Geländewagen losfahren, denn so konnte ich das ganze Gepäck, 

einschließlich Hund, mitnehmen.

 Meiner Frau gelang es tatsächlich, den Wagen bis obenhin vollzu-

laden. Was so ein kleiner Wurm alles benötigte! Windeln, Windeln und 

nochmals Windeln. Als ob es in Spanien keine Windeln zu kaufen gäbe. 

Dann Fresschen für Kindchen und Fresschen für Hündchen. Büchsen, 

Fläschchen, Dosen, Gläser und doppelten Fressnapf. Dann ihre Klamot-

ten. Großer Koffer, kleiner Koffer, viele, viele Taschen; ich musste meine 

ganzen logistischen Fähigkeiten beim Beladen anwenden. Für meinen 

Koffer fand ich tatsächlich auch noch eine Nische.

 Dann war der Wagen bepackt, beladen und vollgetankt. Früh morgens 

fuhr ich los und war am späten Mittag in der Nähe von Valencia. Dort 

hatte ich mir eine Unterkunft herausgesucht. Hatte aber Pech, da die keine 

Hunde wollten. Nicht mal kleine. Überhaupt ist Spanien nicht gerade das 

Hundeparadies auf Erden. Nirgendwohin konnte man einen Hund mit-

nehmen. Hotels, Restaurants. Vergiss es. Misstrauisch schauten sie einen 

überall an, als ob unser liebes Hündchen eine ansteckende Krankheit 

hätte. Das war nicht wie in unserem hundefreundlichen Deutschland, wo 

jeder seinen Köter überallhin mitschleifen konnte. Selbst in gutbürgerliche 

Gasthäuser schleppte der Deutsche nach einem Regenspaziergang gerne 

seinen vor Wasser triefenden, stinkenden Vierbeiner. Auch auf die Gefahr 

hin, dass es unter den Tischen zu kriegerischen Auseinandersetzungen 

zwischen den kläffenden Artgenossen kam. Der Hund hatte in Deutsch-

land einen weit höheren Stellenwert als ein Kind. Ein Hund bekam sogar 

umsonst Wasser!

 Aber das alles traf ja nicht auf unser kleines, braves Hündchen zu, das 

immer lieb dahockte. Genauer gesagt: Es war Anjas Hund. Nicht meiner.  

Der war ein richtig doofes kleines Kerlchen. Seine Haare hingen über 

seine Augen und er hechelte die ganze Zeit. Beim Gassigehen verklebten 

seine Exkremente grundsätzlich das Fell um sein Hinterteil, was eine in-

tensive Reinigung nötig machte, die ich erledigen musste, wenn ich mit 

ihm spazieren gewesen war.

Meine Frau hatte einmal einen kernigen Tob-

suchtsanfall bekommen, als mir das zu blöd wurde und ich mir was be-

sonders Praktisches ausgedacht hatte: Statt den Hund zu duschen und ab-

zuscheuern, stellte ich zwei Eimer lauwarmes Wasser in die Badewanne, 

dann die Vorderläufe in den einen und die Hinterläufe in den anderen Ei-

mer. So stand der Wuschel wie einbetoniert da und machte keinen Muck-

ser. Ich nahm den Rasierer und rasierte die Rosette um sein Arschloch 

blitzblank aus. Sauber. Jetzt konnte er scheißen, wie er wollte. Da klebte 

nix mehr am Fell.

 Ich gebe zu, es sah ein wenig ulkig aus. Wie ein Mandrill in der Paa-

rungszeit. Dass meine Frau so einen Zinnober deswegen machte, hätte ich 

nicht geglaubt. Kein Lob, nur Rüge. Dabei war es doch praktisch.

 Doch zurück nach Spanien. In Valencia hatte ich das Problem der 

Übernachtung. Keine Chance. Nicht mal ’ne lumpige Pension. „No per-

ros“, hieß es überall. Es war dunkel, ich musste tanken und fragte den 

Tankwart mit meinem kargen Spanisch nach einer Möglichkeit der Un-

terbringung. „No posible. No perros.” Der Hund solle doch im Auto 

schlafen, meinte der Tankwart. Nach dem Motto: Was stellst du dich denn 

so an? Ist doch bloß ein Köter und die gehören in keine Casa. Er hatte 

ja Recht. Aber wenn der Köter draufgehen würde, hätte ich mächtigen 

Ärger am Hals.

 Schließlich, es war schon Nacht, fand ich auf einem Campinglatz eine 

Art Gartenhaus, das ich mir mieten konnte. Für den Hund musste ich 

freilich extra ordentlich Peseten hinblättern.

 Tags darauf wollten Hund und ich die beiden am Flughafen in Ali-

cante abholen. Ich wartete mit dem langhaarigen Vierbeiner im Terminal 

und das Flugzeug kam und kam nicht.

 Durch die Lautsprecher wurde uns dann irgendwann mitgeteilt, dass 

wegen eines großen Unwetters die Maschine nach Cartagena umgeleitet 

wurde. Verdammt. Hetzte ich also nach Cartagena.

 Dort wartete auch schon die schlechtgelaunte Anja mit einem zornig 

kreischenden Kind auf den Armen. Sie jammerte mir vor, was sie alles 

durchgemacht hatte. Und dass der Smeagol die ganze Zeit nur rum-

nörgelte und alles vollkotzte.

 Wie es mir ergangen war, interessierte sie keinen Deut. Mir auch egal. 

Zur Ferienanlage, einchecken. 

 Das Erste, was mir meine Frau auftrug und worum ich mich kümmern 

musste, war eine Babysitterin zu suchen. Madame habe ja schließlich 

Urlaub. Das Resort, das sie für uns gebucht hatte, war ein britisches. 

Dagegen ist nichts einzuwenden, nur Anjas Englischkenntnisse waren 

eher bescheiden und Spanisch konnte sie schon gar nicht. Aber sie hatte 

ja mich. Ich war Übersetzer, Bote, Einkäufer und Träger. Zum Strand 

schleppte ich Sonnenschirm, Handtücher, Luftmatratzen und die volle 

Kühltasche. Ich hatte eine dicke, gemütliche Mami gefunden, die sich rüh-

rend um den Kleinen kümmerte. Sie trug den Smeagol mit zugehöriger 

Versorgungstasche und nahm das kleine, hechelnde Hündchen an die 

Leine.

 Señora hingegen ging in ihrem Bikini, Sonnenbrille auf der Nase, 

locker das kleine Handtuch geschultert, in der Hand ein Fläschchen Son-

nenöl, in der anderen irgendeine Lektüre, zielstrebig voraus. Eines musste 

man ihr allerdings lassen. Sie stand ehrgeizig früh auf. Kurz bevor der 

allgemeine Baderummel anfing, huschte sie mit einem Strandhandtuch zu 

dem zu unserer Ferienanlage gehörigen Swimmingpool und deckte vor-

sorglich für sich eine Liege ab, um diese zu blockieren. So konnte sie im-

mer zwischen Strand und Pool hin- und herpendeln und hatte ihre eigene 

beschlagnahmte Liege. So sollte es den ganzen Urlaub gehen. Trotzdem 

hatte ich während des Urlaubs eine Menge Spaß mit Smeagol....

 

 

 

Zum Shop
Zum Shop

Der Wendezeitroman 'Wild Wild Ost' mit einigen Rezi zum stöbern.

Zu Wild Wild Ost

Ebenso authentisch, wenn auch von einem Westdeutschen und schon deshalb sprachlich etwas krachender, kommt die Glücksritter-Klammotte "Wild, wild Ost" von Terry Kajuko daher. Dem erzählenden Gartenbau-Unternehmer geht es 1990 wie der ganzen alten Bundesrepublik: Die fetten Jahre sind vorbei, Aufträge knapp und sein schwäbisches Leben öde. Im Dresden erlebt er seinen privaten Aufschwung Ost aus Korruption und Größenwahn – zum Glück mit Happy End: Dem Absturz des Schwaben.

STERN 20.Oktober 2012

 

»... seine Story ist so erheiternd, dass das Buch tatsächlich das Zeug hat,

Kultstatus zu erlangen.«              Oliver v. Schaewen Stuttgarter Zeitung

„…Hätte Egon Krenz geschafft, seine "Wende" tatsächlich umzusetzen, er hätte das, was da von Kap Arkona bis Weimar vor sich ging, fröhlich als NÖP bezeichnen können, als Neue Ökonomische Politik, frei nach Lenin und dem, was den Hintergrund für die rasanten Geschichten von Ilf und Petrow abgab. Kajukos Gestalten sind genau solche Typen, wie sie bei den beiden Russen dem einen, geldgepolsterten Stuhl hinterherjagen…Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenloseste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte.“

Leipziger Internet Zeitung

 

„…Der Erzähler moralisiert nicht, sondern berichtet von einer Goldgräbergeschichte aus dem deutschen Osten – also von Verhältnissen, die zwar vergangen sind, sich aber in die nationale Psyche eingeprägt haben…“ Züricher Zeitung

„Alleine die Idee ist eine Auszeichnung wert: Terry Kajuko wirft die Symbolik des Wilden Westens, vermischt mit dem Totenkopf der Piraten, über den Aufbau Ost. Der Wilde Westen, das bedeutet: Goldrausch, harte Sitten, Kampf ums Überleben, Gesetzlosigkeit, Raffgier…an manchen Stellen, wenn die verheirateten Männer ihre Angetrauten vernachlässigen und betrügen, wenn der Alkohol fließt und das Koks über Straßen fegt, dann wird man an diese merkwürdige, gedankenlose und primitive Erzählstruktur von American Psycho erinnert. Wohl auch deswegen, weil viel zu wenige Autoren so wie Bret Easton Ellis oder Terry Kajuko den Mut aufbringen, die Oberflächlichkeit des modernen Kapitalisten zum Thema zu machen und dahinter nicht mehr als ein großes, sinnloses Nichts zu entdecken…“ Literaturkritiker Christoph Mann

„Ist das wahr? Ist das erfunden? Wenn es nicht wahr wäre, müsste man es erfinden, so verrückt sind die Geschichten des Schwabener Gartenbauers Terry Kajuko, die er nach der Wende in Dresden erlebt hat.“ André Hille, Textmanufaktur

„Und ist es auch nicht wahr, so ist es doch wenigstens gut erfunden“, weiß ein irisches Sprichwort – und das ist mir immer wieder eingefallen, als ich „Wild Wild Ost“ gelesen habe. Was mag an dieser Geschichte erfunden sein – oder vielleicht besser: Was ist an ihr nicht erfunden? Wenn „Wild Wild Ost“ seine Bezeichnung als Roman wirklich verdient, dann lässt das nur den Schluss zu, dass Kajuko einfach ein sehr einfallsreicher Erzähler ist – denn so, genauso muss es damals gewesen sein, als die Wessi-Pioniere sich auf den großen Treck Richtung Osten begaben, um dort Neuland zu erschließen…“ Literaturkritik Gemeinwesen

 

Und aber auch „Das gesamte Buch ist eine Anhäufung von Trink- und Essgelagen. Frauen sind in diesem Buch nur ein Objekt der männlichen Gelüste und dumm.“ Rezi Bokmask

"Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS. Und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenlosteste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte." (Ralf Julke, L-IZ, 29.10.2007)

Terry Kajuko versteht es in einer einfachen und gewitzten Sprache den Aufstieg der beiden Glücksritter dem Leser nahe zu bringen. Dabei beschönt er weder den Betrug noch verurteilt er die Naivität der Ostdeutschen, die es dennoch verstehen, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Verlierer sind hier nämlich die Westdeutschen. (...) Dieser unterhaltsame Roman blickt zurück in eine Zeit, in der alles möglich war - Positives als auch Negatives." (Nadja Naumann, Sonntagsnachrichten, 25.11.2007)

"Knapp 20 Jahre nach dem Fall der Mauer erzählt Terry Kajuko in seinem Erstlingswerk Wild Wild Ost, eine wahre Geschichte von Gier und Größenwahn, von Höhenflug und tiefen Fall in einer spröden, ehrlichen Sprache. Das Buch, für den Autor ein Stück Zeitgeschichte, schildert die Wendezeit einmal nicht aus ostdeutscher Perspektive, sondern aus der Sicht eines Wessis." (Harz Kurier / Echo zum Sonntag, 30.12.2007)

Achtung: Die Ausgabe im pleitegegangenen Plöttner-Verlag ist nur die Schmalspurversion!