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Wild Wild Ost

Goldrausch an der Elbe

Im ROED - Verlag, oder in meinem Shop

4. erweiterte Ausgabe mit einer zusätzlichen Story

 

ISBN 978-3-9807733-4-8

Prag - In Andenken an Francis Buchholz

 

Ende Dezember 1991

Bei minus zehn Grad verbrachten meine damalige Frau und ich gemeinsam

mit einem befreundeten Pärchen unseren Urlaub in einer umgebauten Windmühle,

die zur Ferienwohnung hergerichtet war. Geplant waren gemütliche

Tage in kleiner Runde – inklusive Silvesterfeier.

 

Der einzige Haken: Wir hatten unsere Hunde dabei.

Die Hündin unserer Freunde war läufig, und unser Vierbeiner drehte

daraufhin völlig durch. Ein permanentes Gefiepse und Gepiepse,

das einem innerhalb kürzester Zeit gehörig auf die Nerven ging.

 

Ich brauchte Luft und wir verschwanden für zwei Tage nach Prag.

Bis dahin hätten sich die Hundegemüter wohl beruhigt, dachten wir vier. 

So war es das erste Mal, dass wir nach Prag kamen, ich fand auch er-

staunlich schnell das Zentrum dieser schönen Stadt.

An einem Hotel namens „Opera“ hielten wir inne und ich fragte an der Rezeption,

ob noch ein Zimmer frei sei. Es war eines frei. Hübsches, altes Hotel, welches zwar 

schon bessere Tage erlebt hatte, aber im Ganzen waren wir mit unserer 

Wahl zufrieden. 

Nachdem wir eingecheckt hatten, begaben wir uns in das dazuge-

hörige Café, um eine Kleinigkeit zu essen und verspürten Lust auf einen 

Wein. 

 Als wir uns in die weichen Ohrensessel gesetzt hatten, fiel mir ein 

langhaariger Mann in Lederkluft auf. Er saß da und futterte kübelweise 

Pudding in sich rein.

 Zu uns meinte er, das Zeug sei so lecker, er könne nicht genug davon 

bekommen. Dazu trank er Likör. Einen dunklen Kirschlikör. Wir kamen 

ins Gespräch.

 Aus Hannover komme er. Mir fiel auf, dass er eine silberne Kette um 

den Hals trug, an der eine silberne Bassgitarre baumelte. 

 Er sei schon ein paar Tage hier, um so richtig die Sau rauszulassen. 

„Bist du Musiker oder was in der Richtung?“, war meine neugierige Frage. 

„Sowas in der Art, warum?“, gab er ohne mich anzuschauen zurück und 

stopfte weiter Pudding und Likör in sich hinein. 

 „Na wegen deinem Kettenanhänger. Der Bassgitarre“, so ich. „Ja, ich 

spiel Bass in einer Kapelle oder sowas Ähnliches“, lachte er.

Dann exerzierten wir sämtliche großen Bassisten und Bassgitarren durch,

bis ich nachhakte. 

 „Wie heißt denn deine Combo, bei der du für dein kärgliches Einkom-

men frönst?“

 „Na, wenn ich in Hannover für meine Pfennige fröne, wie du sagst, 

bei was für einer Combo zupfe ich da die Fender?“, grinste er zurück.

Mir wurde kalt und heiß. „Nicht etwa bei den Scorpions, oder?“

 „Volltreffer! Der Kandidat hat hundert Punkte. Ich bin Francis Buch-

holz. Na ja, ist halt so. Kann auch nix dafür. Lasst uns einen Kirschlikör 

heben.“

 Dabei pfiff er immer wieder einen wohlklingenden Song.

 Als ich ihn darauf ansprach, meinte er: „Das wird unser Megahit. Der 

Song kommt demnächst raus. Bis dahin.“

 Es sollte der Welthit der Scorpions werden: „Winds of Change“.

 Nachdem wir uns in Partylaune gebracht hatten, gingen wir beide in 

eine Disco im Stadtzentrum.

Meine damalige Frau hatte genug vom guten Kirschlikör im 

Blut und blieb mit dem noch scharfen Hündchen im Hotel.

 Nach diesem netten Erlebnis mit Francis Buchholz ging es am anderen 

Tag zur Pragbesichtigung. Hatte uns sehr gut gefallen, Prag, Francis 

Buchholz natürlich auch. Er wollte nach Polen. Dort hatte er sich ein 

Schloss ausgeguckt, das er vielleicht kaufen wollte. Wir fuhren zurück zur 

Windmühle, die Hunde hatten sich abgekühlt...

 

 

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Der Wendezeitroman 'Wild Wild Ost' mit einigen Rezi zum stöbern.

Zu Wild Wild Ost

Ebenso authentisch, wenn auch von einem Westdeutschen und schon deshalb sprachlich etwas krachender, kommt die Glücksritter-Klammotte "Wild, wild Ost" von Terry Kajuko daher. Dem erzählenden Gartenbau-Unternehmer geht es 1990 wie der ganzen alten Bundesrepublik: Die fetten Jahre sind vorbei, Aufträge knapp und sein schwäbisches Leben öde. Im Dresden erlebt er seinen privaten Aufschwung Ost aus Korruption und Größenwahn – zum Glück mit Happy End: Dem Absturz des Schwaben.

STERN 20.Oktober 2012

 

»... seine Story ist so erheiternd, dass das Buch tatsächlich das Zeug hat,

Kultstatus zu erlangen.«              Oliver v. Schaewen Stuttgarter Zeitung

„…Hätte Egon Krenz geschafft, seine "Wende" tatsächlich umzusetzen, er hätte das, was da von Kap Arkona bis Weimar vor sich ging, fröhlich als NÖP bezeichnen können, als Neue Ökonomische Politik, frei nach Lenin und dem, was den Hintergrund für die rasanten Geschichten von Ilf und Petrow abgab. Kajukos Gestalten sind genau solche Typen, wie sie bei den beiden Russen dem einen, geldgepolsterten Stuhl hinterherjagen…Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenloseste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte.“

Leipziger Internet Zeitung

 

„…Der Erzähler moralisiert nicht, sondern berichtet von einer Goldgräbergeschichte aus dem deutschen Osten – also von Verhältnissen, die zwar vergangen sind, sich aber in die nationale Psyche eingeprägt haben…“ Züricher Zeitung

„Alleine die Idee ist eine Auszeichnung wert: Terry Kajuko wirft die Symbolik des Wilden Westens, vermischt mit dem Totenkopf der Piraten, über den Aufbau Ost. Der Wilde Westen, das bedeutet: Goldrausch, harte Sitten, Kampf ums Überleben, Gesetzlosigkeit, Raffgier…an manchen Stellen, wenn die verheirateten Männer ihre Angetrauten vernachlässigen und betrügen, wenn der Alkohol fließt und das Koks über Straßen fegt, dann wird man an diese merkwürdige, gedankenlose und primitive Erzählstruktur von American Psycho erinnert. Wohl auch deswegen, weil viel zu wenige Autoren so wie Bret Easton Ellis oder Terry Kajuko den Mut aufbringen, die Oberflächlichkeit des modernen Kapitalisten zum Thema zu machen und dahinter nicht mehr als ein großes, sinnloses Nichts zu entdecken…“ Literaturkritiker Christoph Mann

„Ist das wahr? Ist das erfunden? Wenn es nicht wahr wäre, müsste man es erfinden, so verrückt sind die Geschichten des Schwabener Gartenbauers Terry Kajuko, die er nach der Wende in Dresden erlebt hat.“ André Hille, Textmanufaktur

„Und ist es auch nicht wahr, so ist es doch wenigstens gut erfunden“, weiß ein irisches Sprichwort – und das ist mir immer wieder eingefallen, als ich „Wild Wild Ost“ gelesen habe. Was mag an dieser Geschichte erfunden sein – oder vielleicht besser: Was ist an ihr nicht erfunden? Wenn „Wild Wild Ost“ seine Bezeichnung als Roman wirklich verdient, dann lässt das nur den Schluss zu, dass Kajuko einfach ein sehr einfallsreicher Erzähler ist – denn so, genauso muss es damals gewesen sein, als die Wessi-Pioniere sich auf den großen Treck Richtung Osten begaben, um dort Neuland zu erschließen…“ Literaturkritik Gemeinwesen

 

Und aber auch „Das gesamte Buch ist eine Anhäufung von Trink- und Essgelagen. Frauen sind in diesem Buch nur ein Objekt der männlichen Gelüste und dumm.“ Rezi Bokmask

"Kajukos Geschichte hat sichtlich das Zeug zu einer rasanten Verfilmung. Wenn sich einer der deutschen Regisseure traut, denn mit melancholischen Seelenzerknirschungen kann er in keiner der flotten Szenen arbeiten. Das Buch lebt von Nicht-Besinnen, von Atemlosigkeit und immer mehr Sex und Drogen und PS. Und beschreibt damit ziemlich genau das gedankenlosteste Jahrzehnt in der jüngeren deutschen Geschichte." (Ralf Julke, L-IZ, 29.10.2007)

Terry Kajuko versteht es in einer einfachen und gewitzten Sprache den Aufstieg der beiden Glücksritter dem Leser nahe zu bringen. Dabei beschönt er weder den Betrug noch verurteilt er die Naivität der Ostdeutschen, die es dennoch verstehen, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Verlierer sind hier nämlich die Westdeutschen. (...) Dieser unterhaltsame Roman blickt zurück in eine Zeit, in der alles möglich war - Positives als auch Negatives." (Nadja Naumann, Sonntagsnachrichten, 25.11.2007)

"Knapp 20 Jahre nach dem Fall der Mauer erzählt Terry Kajuko in seinem Erstlingswerk Wild Wild Ost, eine wahre Geschichte von Gier und Größenwahn, von Höhenflug und tiefen Fall in einer spröden, ehrlichen Sprache. Das Buch, für den Autor ein Stück Zeitgeschichte, schildert die Wendezeit einmal nicht aus ostdeutscher Perspektive, sondern aus der Sicht eines Wessis." (Harz Kurier / Echo zum Sonntag, 30.12.2007)

Achtung: Die Ausgabe im pleitegegangenen Plöttner-Verlag ist nur die Schmalspurversion!