Abendliche Rund im Resort Doc Let Beach.
Ein ehemaliger Fremdenlegionär vom 2. R.E.I. erinnerte sich:
Operation bei Bhin Tay
Herbert erzählte weiter: „Wir saßen gerade beim Frühstück, bei
Kaffee und Baguette, als so gegen halb sieben Uhr das Funkgerät
zum Knattern anfing. Eine Aufklärungsmaschine konnte eine
Gruppe Vietminh bei den Reisfeldern in der Nähe von Bhin Tay
entdecken. Unser Funker, ein Spanier namens Juán, notierte die
Koordinaten und unsere Einheit rüstete sich zum Ausrücken. Im
Posten selber blieb eine Kernbesatzung. Die Vietminh befanden
sich auf dem Rückzug, hatten bestimmt irgendeine Schweinerei
hinter sich. Minen gelegt, Fallen gebaut oder Bauern gelyncht.
Unser neuer Chef, Lt. Bebin, welcher Bourry kürzlich abgelöst
hatte, führte den Zug. Da das Zielgebiet sich lediglich drei bis vier
Kilometer von uns befand, verzichteten wir wegen der weit hör-
baren Motorengeräusche auf Fahrzeuge und marschierten gegen
acht Uhr los in Richtung der durchgegebenen Koordinaten. Kurz
wurde debattiert, ob wir wegen des Gewichts das rückstoßfreie
7,5-cm-Geschütz, Sans Recul, mitnehmen sollten oder nicht. Un-
ser Zugführer entschied sich dafür. Also auf drei Mann die Ge-
schützteile und Granaten verteilen. Entlang der schmalen Pfade
bewegten wir uns, 20 Mann stark, zwischen den Reisfeldern in
Richtung gegenüberliegende Seite. Immer mit dem einen Auge
auf die Reisfelder, das andere auf den Pfad gerichtet. Nur allzu
oft hatten wir schon erleben müssen, dass Minen in die Pfade ge-
buddelt wurden oder sich Vietminh plötzlich aus den Reisfeldern
erhoben und auf Patrouillen feuerten. Die tauchten unter Wasser
und holten Luft durch einen Strohhalm. Ich selbst hatte bei ei-
ner vorangegangenen Operation mal eine Handgranate auf zwei
verdächtige Schatten im Wasser geworfen. Die Körperteile von
zwei Vietminh flogen uns um die Ohren.
Okay, weiter. An einer Hüttenansammlung, vielleicht 300 Me-
ter vor uns, sahen wir schwarze Gestalten umherhuschen. In
einiger Entfernung zu den Hütten ragten rechts und links hohe
Bambushaine in die Höhe, die nicht gerade einladend aussahen.
Sofort signalisierte unser Chef Lt. Bebin uns, wir sollten uns alle
hinlegen. Gerade rechtzeitig, denn schon deckten uns die ersten
Mörsergranaten flächig ein. Schließlich schliefen die Vietminh
nicht und die weiten Rasenfelder waren flach wie eine Flunder.
So konnten die Vietminh uns leicht entdecken. Nun waren wir
doch erleichtert, das rückstoßfreie Sans Recul Geschütz dabei-
zuhaben. Mit wenigen Griffen war es feuerbereit. Schon knallte
die erste 7,5-cm-Granate in die vordere Hüttenansammlung, aus
der das Feuer auf uns eröffnet wurde. Lt. Bebin gab ein Zeichen,
dass wir uns kriechend, neben dem Pfad, in den Reisfeldern in
Richtung der Vietminh bewegen sollten. Zu allem Übel kam uns
auch noch MG-Feuer aus den Bambushainen entgegen. Legionär
Schröder erwischte es am Fuß, Legionär Sørensen, einen Schwe-
den, an beiden Beinen. Beide blieben verletzt liegen. Ich küm-
merte mich sogleich um sie. Zum Glück hatte Schröder nur einen
sauberen Durchschuss, Sørensen war schlimmer dran. Ich konnte
aber die Blutungen stoppen. Es mussten beide bis zur Evakuie-
rung liegen bleiben. Legionär Kumpf wurde den Verletzten als
Schutz dagelassen. Ich sagte noch zu den dreien zur Aufmunte-
rung, dass wir sie nach unserem Spaziergang abholen würden
und bestimmt ein Hähnchen zum Grillen dabeihätten. Ein herz-
liches Lachen sah anders aus. Juán forderte über Funk einen Heli-
kopter an. Den feindlichen Mörser hatte unser Geschütz beim ers-
ten Schuss erledigt, denn aus dieser Richtung kam keine Granate
mehr angeflogen. Somit konnte sich unser Richtschütze auf das
MG-Feuer, welches uns stoßweise aus den Bambushainen entge-
genkam, konzentrieren. Lt. Bebin ließ vom Funker vorsichtshalber
Luftunterstützung aus Nha Trang anfordern. Immer wieder über
unseren Köpfen Granaten von unserem Geschütz. Mittlerweile
zählte ich schon die fünfte. Also standen nur noch fünf Granaten
zur Verfügung.
Lt. Bebin beobachtete halb im Liegen, dass sich etliche Vietminh
aus dem Reisfeld erhoben und sich wieselflink vom Acker machen
wollten. Er sagte: ,Das sind ja mindestens 20, nein, 30 Mann. Die
wollen alle in Richtung der Hütten. Auf, die schnappen wir uns.
Dort bei den Bambushainen konzentrieren sich auch immer mehr
Vietminh. Juán, was ist mit der Luftunterstützung, verdammt,
und was ist mit dem Sani-Heli?‘
Juán hatte Funkkontakt mit dem Feldflugplatz. Von dort lautete
es: ,Die Jabos sind unterwegs, geschätzte Ankunftszeit in fünf Mi-
nuten. Zieht die Köpfe ein. Weiterhin viel Erfolg!‘
Lt. Bebin schaute auf seine Uhr: ,10:35 Uhr. Gleich geht’s los.‘
Aus dem Funkgerät hörte man: ,Hier Staffelführer Bonnet, wir
sind gleich da. Wohin wollt ihr das Grillfeuer?‘
Lt. Bebin gab die Anweisungen seinem Funker durch, und schon
hörten wir das Motorengeräusch der ,Bearcats‘.
,An Staffelführer Bonnet, nehmt die zwei Bambushaine unter
Feuer, welche links vor euch liegen, damit das verdammte MG-
Feuer aufhört.‘
Lt. Bebin befehligte: ,Sofortige Feuereinstellung bei unserem Ge-
schütz. Granaten sparen.‘
Das Motorengeräusch der ,Bearcats‘ wurde immer lauter und ge-
fährlicher. Im Tiefflug rauschten die drei Jabos heran und ließen
ihre Brandbomben in die zwei Bambushaine krachen, um an-
schließend elegant in die Höhe zu ziehen. So ein Napalmfeuer-
werk ist schon sehr beeindruckend. Das sind riesige Feuerbälle,
welche nichts am Leben ließen. Nachdem die Jabos eine Runde
gedreht hatten, donnerten diese erneut los und nahmen mit ihren
Bordwaffen alles unter Feuer, was sich aus der Napalmhölle ent-
fernen wollte. Das war handwerklich einwandfreie Arbeit. In
einer letzten Schleife fegten die Flieger vielleicht 20 Meter über
unsere Köpfe, winkten kurz, und weg waren sie. Das Spektakel
dauerte keine zehn Minuten. Somit waren zwei feindliche Posi-
tionen eliminiert. Anstelle der saftig grünen Bambushaine gab es
nur noch glimmende Halme. Man konnte deutlich das von den
Resten der Bambushalme knisternde Feuer hören.
Unserem Kommandanten wurde über Funk mitgeteilt, dass Ka-
meraden der 10. Kompanie unter Lt. Philipon von Westen her
auf das Dorf vorrückten. Ein Zug unserer Kameraden von der
11. Kompanie befand sich auf dem Rückweg vom Posten Van
Gia und war also ebenfalls ganz in der Nähe. Somit trieben wir
die Vietminh in einer Zangenbewegung vor uns her. Sehr beun-
ruhigend war, dass im Dorf mit Reisbauern zu rechnen war. Also
Zivilisten. Oft massakrierten oder entführten die Vietminh alles,
was nicht zu ihrer Ideologie passte. In ihren Augen waren das
Kollaborateure. Wir verfolgten also die Vietminh, welche hin zu
der Ansiedlung flüchteten. Von dort hörten wir ein Schießen und
Explosionen, was uns folgern ließ, dass die Vietminh anfingen bei
den Zivilisten ihr Unwesen zu treiben. Die ersten Hütten erreich-
ten wir und Juán konnte Kontakt mit der Kampfeinheit Lt. Gran-
sards aufnehmen. Wir vom Süden, Lt. Gransard vom Westen.
Flächiges Abwehrfeuer empfing uns und wir waren gezwungen
in Deckung zu gehen. Nun ist eine Situation eingetreten, die kein
Soldat sich wünscht. Eine Patt-Situation.
Die Vietminh im Mauseloch, wir gebunden in Deckung, da-
zwischen Zivilisten.
Auch Lt. Gransards 11. Kompanie steckte fest.
Das Gleiche mussten die Vietminh erkannt haben, dass sie näm-
lich in der Falle saßen. Da das Dorf von Reisfeldern umgeben war,
mussten sie sich mit der Deckung des Dorfes und den Zivilisten
als Schutzschild zufriedengeben. Das bewaldete hügelige Gelän-
de im Westen fing erst ca. 300 Meter vom Dorf entfernt an. Ein von
den Behausungen hinaufführender Pfad wies in diese rettende
Richtung. Die einzige Möglichkeit, aus der Sackgasse, dieser Insel
mitten im Reisfeld, zu entkommen.
Somit war klar, dass die Vietminh nun so lange auszuhalten ver-
suchten, bis ihr Verbündeter, die Dunkelheit, ihnen einen Aus-
bruch ermöglichte. Ein erneutes Katz-und-Maus-Spiel begann.
Lt. Gransard positionierte nun seine 80 Mann korrekterweise
zwischen den Hügeln und den Vietminh im Dorf. Auf diese Weise
sperrte er, so gut es ging, den Zugang zu der Insel im Reisfeld ab.
Wie viele Vietminh sich mittlerweile in der kleinen Ansiedlung
verbarrikadiert hatten, konnte nur geschätzt werden. Bestimmt
waren es aber über 30 Mann. Es war mucksmäuschenstill. Dann
fing ein Baby an zu schreien; und dann noch eins. Somit war klar,
dass wir äußerst behutsam vorrücken mussten.“
Eckhart hakte ein: „Ich habe gedacht, ihr Fremdenlegionäre habt
immer schön alles plattgemacht, egal ob da nun ein paar Zivilis-
ten sind oder nicht.“
Herbert widersprach: „Nein, natürlich nicht. Diese Bauern waren
doch Verbündete. Es wäre für die Jabos eine Kleinigkeit gewesen,
diese Ansiedlung mit Napalmbomben zu belegen. Dann hätten
wir leichtes Spiel gehabt. Aber dies hätte sich wie ein Flächen-
brand in der Bevölkerung herumgesprochen, und dann hätten
wir alle gegen uns gehabt. Das wäre fatal gewesen. Glaubst du
im Ernst, wir hätten dann noch in Ruhe und gemütlich auf dem
Markt einkaufen gehen können? Nein, viele Einheimische kann-
ten wir doch und hatten keine Probleme mit ihnen. Mit unüber-
legten Handlungen hätten wir aber welche ungeahnten Ausmaßes
gehabt.“
Manfred schilderte die damaligen Ereignisse weiter: „Nach ei-
ner Weile hörten wir vietnamesisches Rufen aus Lt. Gransards
Truppe. In unseren Einheiten hatten wir immer vietnamesische
Soldaten, die erbitterte Gegner der Kommunisten waren. Oft ka-
men sie aus ethnischen Minderheiten oder von den Bergvölkern,
den Muong, die grundsätzlich gegen alle sind, welche über sie zu
befehligen gedenken. Selbst heute noch zeigen sie sich gegenüber
einer Regierung in Hanoi äußerst skeptisch. Die Franzosen waren
für sie das kleinere Übel, da die französisch geführte Regierung
sie gewähren ließ. Die eigentlichen Probleme der französischen
Kolonialregierung waren anders gelagert, hatten wenig zu tun
mit den Bergvölkern oder ethnischen Minderheiten. Die franzö-
sischen Probleme hießen Ho Chi Minh, General Giap, Tonkin,
China und die roten Tentakel des Kommunismus. Jetzt bin ich
wieder abgeschweift. Wo waren wir stehen geblieben?“
Herbert: „Du wirst eben alt. Also mach ich mal weiter. Genau deu-
ten konnten wir nicht, was der Vietnamese in französischer Uni-
form da den Vietminh zurief, aber allzu viele Möglichkeiten gab
es da ja nicht. Er forderte sie mit irgendwelchen Versprechungen
zur ultimativen Aufgabe auf. Die Antwort wurde in Form einer
massiven Salve aus Handfeuerwaffen beantwortet. Wir hörten es
aus dem Funkgerät knattern: ,Lt. Bebin, wir werden vorrücken
und treiben die Vietminh in eure Richtung. Operation beginnt in
fünf Minuten.‘
Lt. Philipons Funker gab dies unserer Einheit durch. Dies bedeu-
tete, dass Lt. Philipons Legionäre nun Holzhütte für Holzhütte
säubern wollten.
Nach Ablauf der Zeit konnten wir auch schon heftige Explosionen
von Handgranaten und das Knattern von Maschinenwaffen
vernehmen. Östlich des Dorfes versuchten Bauern mit ihren
Kindern dem Gefecht zu entkommen.
Weit kamen die Flüchtenden allerdings nicht, sie wurden von
Kugeln der Vietminh niedergestreckt. Die Ballerei dauerte keine
halbe Stunde, als von Lt. Philipon der Funkverkehr wiederaufge-
nommen wurde.
,Wir kommen nicht weiter. Zwei Mann gefallen, fünf Mann ver-
letzt. Zu viele Zivilisten. Wir ziehen uns zurück.‘
,Philipon, lass die Vietminh bei Dämmerung ausbrechen, dann
schnappen wir sie uns‘, funkte unser Chef, Lt. Bebin. ,Wo bleibt
eigentlich der verdammte Heli, Juán?‘, fluchte Bebin.
Juán nahm erneut Kontakt zum Feldflugplatz bei Nha Trang auf
und bekam die Antwort: ,Sanitätshelikopter kann nicht starten, ist
defekt. Wird gerade repariert, das wird heute nichts mehr. Wün-
schen euch alles Gute. Stopp.‘
,Na toll, dann hoffen wir, dass dies hier bald zu Ende ist, damit
wir Schröder und Sørensen evakuieren können. Der Kumpf macht
sich wohl einen lauen Lenz und raucht gemütlich eine Pfeife.‘
Gegen 16:30 Uhr setzte die Dämmerung ein. Das ist nicht so wie
in Deutschland, dass es langsam und gemächlich dunkel wird,
nein, in Vietnam ist es so, als ließe jemand einen riesigen Roll-
laden herab.“
„Du wirst lachen, wir sind hier auch gerade in Vietnam“, lachte
Schneider.
„Stimmt ja. Weißt es ja selbst, dass es hier sofort Nacht wird. Alle
lauschten auf das, was kommen würde. Es war sehr ruhig. Grillen
zirpten, man konnte wieder Babygeschrei vernehmen. Die Viet-
minh scheuten eine offene Konfrontation, wo immer es ging. Da
waren wir schlagkräftiger, aber die Vietminh waren Spezialisten
bei Nacht. Die Nacht und der Dschungel waren ihre stärksten Ver-
bündeten. Die Nacht war nun da, in den Dschungel wollten sie.
Würde nicht ganz leicht werden, von der Insel herunter auszu-
brechen. Unser Lt. Bebin suchte mit seinem Feldstecher bei leich-
tem Mondschein die unmittelbare Gegend ab und murmelte: ,Da
stimmt was nicht. Die wollen jetzt ausbrechen, ich spüre es. Juán,
gib mir mal das Mikro. Philipon, hier Bebin, da stimmt was nicht,
lass uns Leuchtgranaten abschießen, damit wir erkennen können,
ob die im Begriff sind, zu verschwinden.‘
„Okay, in 20 Sekunden. Warte, warte … ich zähle ab jetzt rück-
wärts. Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins,
Feuer.“
Unser Leuchtkörper schoss in die Höhe, den von Lt. Philipon sa-
hen wir ebenso im hohen Bogen fliegen, und für kurze Zeit wurde
die Fläche in einem hellen Blau erleuchtet. Schon erkannten wir
huschende Gestalten, die wie das scheue Reh in die Positionen von
Philipon, also in Richtung der bewaldeten Anhöhen zu huschen
versuchten. Das Feuer wurde von den dortigen Legionären eröff-
net. Wir erkannten deutlich die Bahnen von Leuchtspurmuni-
tion, welche in der Dunkelheit verschwanden, hörten Schreie und
Kommandos. Gespannt warteten wir in unseren Stellungen am
Rande der Siedlung ab, ob die Vietminh in unsere Richtung ge-
trieben wurden. Die gejagten Vietminh lieferten sich aber wüste
Schießereien mit den Legionären von Lt. Philipon. Nach einer hal-
ben Stunde flachte das Gefecht ab und verstummte dann endgül-
tig.
,Lt. Bebin, hörst du mich? Ich glaube, das war’s. Wir haben leider
nochmals drei Verwundete und einen Gefallenen. Du kannst mit
deinen Jungs deine Verwundeten bergen. Wir bleiben hier, bis es
hell ist‘, funkte Lt. Philipon.
,Au revoir, Philipon. Wir hören voneinander.‘
Lt. Gransards Einheit kam am glimpflichsten davon und zog eben-
falls ab.
Unter äußerster Vorsicht schlichen wir gegen Mitternacht in ge-
bückter Haltung den Weg, den wir gekommen waren, zurück. Im-
mer wieder stoppten wir, lauschten, ob sich nicht irgendwelche
versprengten Vietminh in der Nähe herumtrieben. Nun mussten
wir den Platz gleich erreichen, wo sich Schröder und Sørensen mit
ihrem Beschützer Kumpf befanden, aber nichts, niemand befand
sich mehr da. Wir versuchten in der Dunkelheit was zu erkennen
und riefen leise ihre Namen.
,Putain de merde. Was soll der Scheiß, wo sind die drei?‘, flüsterte
unser schlecht gelaunter Chef Bebin zu uns. ,Das sieht nicht gut
aus. Seht: überall Spuren und niedergetrampelter Reis‘, stellte
Adolf fest.
,Das bringt jetzt alles nichts. Nicht dass wir selbst in eine Embus-
cade laufen. Wir ziehen uns zu unseren Posten zurück, ruhen aus
und bei Tagesanbruch rücken wir dann voll aufmunitioniert wie-
der zurück.‘
Die Stimmung auf dem Rückweg war nicht gerade die beste, wie
man sich vorstellen konnte.
Die Vermutung lag auf der Hand, dass die Vietminh Schröder,
Sørensen und Kumpf verschleppt hatten.
Diese Einheit der Vietminh musste somit nicht den direkten Aus-
bruch zum Wald versucht haben, sondern schlich in einem Bogen
von der Hauptgruppe davon und schnappte sich so die Kame-
raden.
Nach einer Stunde erreichten wir erschöpft unseren Posten, den
Turm.
,So – hinlegen und ausruhen‘, war das Kommando von unserem
Chef Lt. Bebin.
Wir legten uns auf die Feldbetten und ich schlief auch sofort wie
ein Stein ein.“ ...
Buchbeschreibung
Indochinakrieg, Vietnam Ende 1953. Eine kleine Garnison eines Postens des 2.R.E.I. bei einem Fischerdorf in der Nähe von Nha Trang. Die Fremdenlegionäre hatten die Aufgabe, in der Nähe gelegene Reisfelder und die arbeitende Vietnamesen zu beschützen, welche immer öfters Angriffe der Vietminh ausgesetzt waren. Nachdem eine Operation gegen die Vietminh erfolgreich durchgeführt wurde, kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall, wobei Fremdenlegionäre grausam zu Tode kamen. Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Bedauerlicherweise wurden Zivilisten in den Konflikt hineingezogen und versehentlich erschossen.
60 Jahre danach trafen sich deutsche Legionärs-Veteranen des Postens in einem Resort, welches ein ehemaliger Kamerad leitet, nicht weit von ihrem damaligen Stützpunkt entfernt.
Als unvergänglicher Zeuge dieses damals befestigten Postens, blickt bis heute der steinerne Beobachtungsturm auf die idyllische Bucht von dem Hügel herab.
Einen Tag nach Heilig Abend endete die gemeinsame Besteigung zu dem Turm mit dem Tod eines der Veteranen durch eine Herzattacke. Es folgten weitere mysteriöse Todesfälle bei den angereisten, ehemaligen über 80jährigen Fremdenlegionären.
Der sich seit wenigen Tagen im Urlaub befindliche Stuttgarter Oberkommissar Schneider, welcher sich von seinem stressigen Job erholen wollte und sich mit den teils schrillen Resort Gästen amüsierte, schlitterte in diese nicht enden wollenden Sterbevorfälle hinein. Dabei wurde er schrittweise zum Mitermittler des sächsisch sprechenden vietnamesischen Kommissars Mr. Ngo.
Ein pensionierter britischer Lehrer und nun Schriftsteller, sowie ein Rentner, welcher in seinem früheren Leben mit der DDR-Handelsmarine durch die Welt schipperte, bereicherten die revoltierenden Vorkommnisse mit ihren trockenen Sprüchen und rabenschwarzen Humor.
Somit wird ein tragisch, tödliches Rendezvous zu einer skurril anmutende Kriminal-Geschichte.
Zur hilfreichen Rekonstruktion, was sich damals in den Wirren des Krieges ereignete, waren die abendlichen Erzählungen der Fremdenlegionäre aus jener Zeit, für Schneider von aufschlussreicher Wichtigkeit.
Der Chef des `Paradise Resort´, namens Vladimir, rückte so nach und nach mit interessanten Details heraus, woraus aus verblassten Mosaikteilchen letztendlich ein rätselhaft mystisches Gesamtbild erstellt werden konnte.
Seitenzahl 299 mit Fotos